Zeichen setzen für den Frieden

Liebe Leserin, lieber Leser,


es gibt einige, die behaupten, Fantasyliteratur sei in höchstem Maße eskapistisch. Ich war nie dieser Ansicht. Fremde, mystische und mythische Welten mögen zwar realitätsfern sein, aber deshalb sind sie noch lange nicht Mittel oder Ziel einer Realitätsflucht – zumindest nicht in dem Sinne, wie dieser Ausdruck oft verwendet wird. Ich habe im Gegenteil sogar die Erfahrung gemacht, dass Fantasyliteratur sogar in die entgegengesetzte Richtung steuern kann: Welten so fern von der unseren geben uns die Gelegenheit, Themen und Probleme anzusprechen, für die „normale“ Literatur zu nah an der Wirklichkeit ist, als dass ein freier, distanzierter Umgang damit möglich wäre. Manche Dinge sind zu schmerzhaft, als dass wir sie nah an uns heranlassen können, selbst wenn wir uns unbewusst mit ihnen auseinandersetzen wollen.


Wer sich in der klassischen Fantasy ein wenig auskennt, der weiß, dass es dort fast immer am Ende auf eine große Schlacht hinausläuft, in der die Guten sich den Bösen im Felde stellen. Krieg gehört zur klassischen Fantasy einfach dazu.

Aber keiner von uns Autoren ist deswegen ein Freund des Krieges. Zumindest bei mir ist es so. In vielerlei Dingen enthalten meine Geschichten das exakte Gegenteil von dem, was mir in meinem echten Leben wichtig ist.


Ich habe lange überlegt, wie ich persönlich mit der aktuellen Situation in Osteuropa umgehen soll. Fest steht für mich, dass die Ukraine nicht weit genug weg ist, als dass ich ignorieren könnte, was dort gerade vor sich geht – kein Ort auf der Welt wäre so weit weg.

Zu Beginn der Corona-Pandemie habe ich einen Weg gefunden meine Sorgen über die Gegenwart und die Zukunft – teilweise humoristisch, teilweise dunkel-prophetisch – zu verarbeiten.

Hier ist mir das unmöglich, nicht nur deshalb, weil es eine meiner (wenigen) Regeln ist, niemals wirkliche Menschen in meine Geschichten einzubauen. Es gibt auch Personen, die will ich nicht in meinen Texten wissen, nicht einmal als Inspirationsgrundlage.


Trotzdem ist es mir ein Anliegen, irgendetwas zu tun, und sei es nur, meine Stimme zu erheben.

Aus diesem Grunde habe ich – neben einigen persönlichen Maßnahmen – entschieden, dass der Skrypteum-Verlag bis auf weiteres, mindestens aber bis zum Ende des Krieges gegen die Ukraine, jede Zusammenarbeit mit russischen Künstlerinnen und Künstlern beendet. Ich arbeite im Augenblick an mehreren Projekten, zum Teil in Zusammenarbeit mit international weit verstreuten Künstlern. Einige dieser Projekte werden nun aufgrund der Umstrukturierung und Neuorientierung etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen oder vielleicht vollständig aufgegeben. Es wäre schön, wenn dies die einzigen Opfer des Krieges wären …


Mir ist bewusst, dass bei weitem nicht jeder Russe hinter diesem kriegerischen Überfall steht, daher mag meine Entscheidung unfair wirken. Unfairer aber wäre es noch, überhaupt nichts zu tun, während Menschen um ihr Leben fürchten. Toleranz der Intoleranz gegenüber, führt zu Intoleranz.

Ich will und werde das russische Volk nicht verdammen, das ich spätestens während meines mehrjährigen Russischunterrichts am Gymnasium schätzen und respektieren gelernt habe. Aber die Leben derer, ob ukrainischer, russischer oder einer anderen Nationalität, die in diesem Augenblick vom Krieg bedroht werden (und möglicherweise durch zukünftige Kriege, wenn wir diesen Wahnsinn jetzt nicht stoppen), wiegen für mich schwerer.


Skrypteum ist nicht annährend groß genug, um wirtschaftlichen Druck auszuüben, und darum geht es auch gar nicht. Hier geht es um ein Statement: Für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit und gegen Kriegstreiberei, Wahnsinn und Aggression.


Es wird Zeit, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen.


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