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Achtung "Fakenews!

Am 26.06.2019 erschien in der Rubrik „Typen“ der Celleschen Zeitung ein Portrait über meine Person. Obwohl es im Vorfeld sogar zwei intensive Gespräche mit einer Redakteurin des Blatts gab, ist der daraus entstandene Artikel erschreckend weit von der Wahrheit entfernt.

Bereits wenige Stunden nach Erscheinen der Tageszeitung wurde ich mehrfach von Bekannten auf einzelne Details angesprochen, die ihnen seltsam vorkamen. Manch einer wählte hier deutlich drastischere Worte, als ich es tue.

Die Redaktion der Celleschen Zeitung wurde von mir umgehend auf die Fehler, Ungenauigkeiten und unglückliche Formulierungen hingewiesen. Ich möchte aber zusätzlich an dieser Stelle euch, meinen Lesern, eine direkte Rückmeldung geben; wer kann schon sagen, wann die Richtigstellung abgedruckt wird?
Und welchen Sinn hat ein Portrait, wenn es nicht das Original abbildet?

Es geht hierbei lediglich um den in der CZ abgedruckten Text. Dies ist keine Stellungnahme über die Qualität oder Arbeitsweise der Redaktion im Allgemeinen oder spezieller Mitarbeiter. Ich stelle nur die Fakten dieses speziellen Falls dar, weiter nichts.

(Übrigens: Ich werde den Artikel der CZ hier nicht abdrucken oder abbilden, da er aktuell nur für Käufer der Zeitung oder Mitglieder bzw. Abonnenten der digitalen Ausgabe verfügbar ist. Bis zu einer kostenlosen Bereitstellung seitens der Redaktion sehe ich keine Veranlassung, der CZ ihre Einnahmen durch Käufe vorzuenthalten – die Angestellten dort müssen schließlich auch an ihr Gehalt kommen!)

 

Nun noch eine Warnung: Ja, der folgende Text ist sehr lang. Das ist nicht meine Schuld, ich habe die Fehler nicht in den Artikel eingebaut, die ich hier korrigiere.

Beginnen wir also am Anfang …

… und zwar mit einem Fehler, der bisher jedem Interview- und manchem Gesprächspartner unterlaufen ist: Es erschien jüngst der dritte Band der Zeitenstrahl-Saga. Fertig verfasst sind allerdings bereits alle neun Bände der Reihe sowie vier Bände einer zweiten Saga. Es stimmt, ich habe Ideen für noch einmal so viele! Aber da ich bereits vor über zehn Jahren mit dem Schreiben angefangen habe, die Bücher hingegen erst seit zwei Jahren erscheinen, habe ich einigen Vorlauf.

Noch einmal: 13 Bücher schon fertig, 3 bisher erschienen, viele weitere im Kopf.

Außerdem bezog sich auf diesen Umfang auch nicht die (ohnehin nur augenzwinkernd gemeinte) Bitte meines Verlegers, mich kürzer zu fassen. Wie ich auch der CZ im Interview sagte, war damit die Seitenanzahl der einzelnen Bände gemeint, nicht auf die Bandanzahl der Reihe. Die Schinken sollten nicht so dick werden.

Ich dachte bei dieser Formulierung erst, die Redakteurin wollte mir verdeutlichen, dass sie keine Lust hat, so viel zu lesen. Aber wie sie mir sagte, hat sie es nicht einmal versucht.

 

Also dann, folgen wir dem Artikel zurück in meine Kindheit. Ja, ich habe oft im Wald gespielt, allein und mit Freunden. Als Kinder jagten wir uns gern mit Holzschwertern und kämpften gegen imaginäre Feinde. Aber allein war ich lediglich auf Wanderschaft. (Bei Erwachsenen würde man sagen, ich ging spazieren. Aber das tut ja kein Kind.) Ich habe nie allein irgendwelche erdachten Monster gejagt. Wir sind wohl alle „ein bisschen bluna“ – aber ganz von der Rolle bin und war ich wiederum auch nicht, dass ich irgendwelche Viecher sehe und sie heroisch erschlagen müsste.

Ähnlich ungenau nahm es die CZ in Bezug auf meine Videospielzeit. Hier sei klargestellt, dass mein/unser Fokus auch damals schon eher bei Strategie lag. Die von der CZ erwähnten „Scharmützel“ waren Wochenendtreffen vor den Bildschirmen und keine „Ballerspiel-Orgien“. Alle Eltern, denen beim Lesen des Artikels das Herz in die Hose rutschte, weil ihr Kind gerade eines meiner Bücher liest, dürfen beruhigt sein.

Meine literarischen Vorbilder sind zahlreich, und wenn ich die Namen Hennen, Lovecraft, Tolkien und Gaiman (um nur bei den Vertretern der Fantasy zu bleiben) eher zögerlich nenne, dann nur, weil ich nicht wage, mich mit den Meistern auf eine Stufe zu stellen. Nicht einmal auf dieselbe Treppe!

Dennoch muss ich bei aller Leselust auch zugeben, dass ich niemals auch nur einen einzigen Roman aus der Welt von „Das Schwarze Auge“ (Kennern als DSA bekannt) gelesen habe – geschweige denn, dass einer in meinem Regal stünde. Vielleicht habe ich da eine literarische Offenbarung verpasst, aber es ist so. Ich weiß nicht, woher die CZ die Idee nimmt, ich hätte diese Geschichten gelesen. Tatsächlich habe ich erst vor etwa einem Jahr einmal gegoogelt, was es mit diesem ominösen Namen auf sich hat.

 

Die CZ springt an dieser Stelle (ich gehe wie bei meinen Romanen chronologisch vor) wieder zurück zu meiner Person, genauer zu meiner späteren Schulzeit. Ja, Schule war nichts für mich, nennt mich ein schlechtes Vorbild. Es stimmt auch, dass ich viel Wissen später „freiwillig“ nachholte.

Dazu gehört auch der Russischunterricht. Alles andere an der Darstellung der CZ ist hier aber schlichtweg falsch. Die Krux an dem Unterricht damals war nämlich, dass wir die einfachsten Formulierungen, beispielsweise für einen Urlaub, nicht lernten. Aber eine Klausur umfasste ausschließlich, einen Brief von Juri Gagarin (der erste Mensch im Weltall, bevor jemand Wikipedia fragt) zu interpretieren. Genau das war mein Problem damals: Wann muss ich jemals auf Russisch einen Brief interpretieren? Stattdessen hätte man uns die zitierte Frage nach dem Weg zum Bahnhof beibringen sollen!

Das Interview macht hier wieder einen Bogen zurück zu meiner Arbeit als Autor. Genauer zum „Weltenschöpfen“, wie Bernhard Hennen es einmal in einem kurzen Gespräch, das ich mit ihm haben durfte, nannte.

Hier sei die CZ dahingehend korrigiert, dass ich Wappen, Karten und alle anderen Zeichnungen nicht nur zu den drei genannten Orten Nyss, Südland und der Stadt Álimos zeichne (dafür über zehn Jahre zu brauchen wäre auch nicht mein Arbeitstempo). Ich zeichne diese Dinge für alle Orte bzw. Personen auf dem bisher bekannten Kontinent – immerhin einer, der Europa in Größe nichts nachsteht. Ja, ich habe es ausgemessen.

Damit kommen wir auch schon zu den zitierten Klimazonen. Ich überlege nicht, wie ich die haben möchte, sondern wie sie sein müssen, aufgrund der Berge, die ich platzierte (deren Platzierung ich wiederum auf Erdplatten & Co. basieren lasse), Winkel der Planetenachse zur Sonne und allem anderen, was so dazu gehört. Die Infos dazu habe ich natürlich nicht aus Mittelalter-Büchern, liebe CZ. Da hole ich andere Informationen raus, aber geologisches Fachwissen findet sich in einem Buch über die Kreuzzüge so wenig wie im Telefonbuch.

 

Ihr merkt an dem vorigen Absatz schon, wie wichtig mir ist, dass die Welt „Hand und Fuß“ hat (nicht wörtlich gemeint, das muss man bei der Fanatsy ja durchaus erwähnen). Ich will, dass meine Welt logisch ist (also nachvollziehbar und auf physikalischen Grundsätzen basierend, wenn diese auch zum Teil fiktiv sein mögen). Den Begriff „realistisch“ finde ich bei Fantasyromanen mit Drachen und Zauberern denkbar ungeeignet. Das ist mein Zitat, genau diese Unterscheidung zwischen Logik und Realismus, die die CZ im vorliegenden Artikel klammheimlich für sich reklamiert.

Wir folgen der CZ in der vorletzten Spalte (für alle mit der Printausgabe der Zeitung) zu einem letzten Sprung, nämlich zu meiner Zeit als Buchhändler. Ja, die Leseexemplare der Verlage waren ein Segen. Zur Erklärung: Verlage schicken Freiexemplare vorab an die Händler, damit die sich schon einmal einlesen und das Buch dann vom ersten Tag an verkaufen können. Es gibt dabei vielerorts im Buchhandel die Tradition, dass „die alten Leseex“ unter den Kollegen verteilt werden, wenn die neuen kommen. Sommer- und Winterliteratur. Die Alternative wäre der Papierkorb. Darunter habe ich mir gern einige ausgesucht, als armer Azubi auch ein paar mehr. Ich war wirklich erschrocken, als die CZ meinte, ich hätte mir „alle Leseexemplare unter den Nagel gerissen“! Als Autor erfinde ich Geschichten aber ein Dieb bin ich nicht! Und auch nicht das Kollegenschwein, als das ich hier dargestellt werde! Die anderen gingen keinesfalls leer aus. Also bitte, liebe CZ, das grenzt schon an Verleumdung!

Übrigens: Von Bildbänden und Reiseberichte habe ich kein einziges Exemplar (gekauft oder gratis) hier stehen. Ich habe mal durchgeblättert, aber mehr nicht. Und von Bildbänden gibt es so gut wie keine Leseexemplare, das sind schließlich (fast) nur Bilder – kein Bedarf, sich einlesen zu müssen, um es verkaufen zu können.

 

Wir sind beinahe am Ende dieser doch sehr langen Reise durch den Dschungel der Un- und Halbwahrheiten angelangt. Ausgerechnet das letzte Zitat ist aber wieder genau das. In diesem Teil des Interviews ging es ursprünglich um die weiter vorn erwähnte Frage nach meiner Freizeitgestaltung abseits des Schreibens. Ob ich auf Partys ginge und dergleichen. Ich verneinte dies, da mich meine Bücher gut beschäftigt halten und es mir mehr Spaß macht als alles andere. Ich ergänzte: „Ich bin niemand, der ‚etwas machen‘ muss. Mir reicht es auch schon, wenn ich mich mal abends am Wochenende einfach nur auf‘s Sofa setze und meinen Gedanken nachhänge, dazu vielleicht ein Glas Wein.“ Dass ich Scotch viel lieber mag, ließ ich schon weg, um nicht den Eindruck eines Schluckspechts zu erwecken. Die CZ hat es mit ihrer Formulierung dennoch geschafft, indem sie meine Aussage so änderte, dass der Wein nun zum unverzichtbaren Begleitmittel wurde.

Glaubt mir einfach, wenn ich euch sage, dass mir das ganze verrückte Zeug auch ohne bewusstseinsverändernde Mittel einfällt.

Zum Schluss sei nur noch erwähnt, dass Die Silberne Stadt „nur“ ca. 560 Seiten hat, nicht 590. Ich weiß nicht, woher die CZ diese Zahl nahm. Zumal das Buch erst Ende letzter Woche lieferbar wurde.

Daher hatten auch alle, die am Erscheinungsdatum dieses Artikels gehorsam bei Decius aufliefen, schlechte Karten, wenn sie ein Buch wollten. Auch die Kollegen von Decius können nicht zaubern, Verlag und Auslieferung erst recht nicht.

Aber auch das bin ich von meiner Zeit im Buchhandel gewohnt: Die CZ gibt tolle Lesetipps zu Titeln, die eher als Geheimtipps gelten. Allerdings sagen sie Decius vorher nicht Bescheid. Alles können die armen Kollegen da auch nicht vorrätig haben.

Wer mir bis hierhin treu gefolgt ist, kennt nun zumindest einen Großteil der Wahrheit über den „Herrn der Welten“, wie die CZ mich genannt hat. Nett gemeint, aber beim Lesen hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass der Artikel jemand anderen beschreibt.

 

Und wer im Übrigen mehr zum Thema Asperger wissen will, dem empfehle ich die Bücher von Rad und Soziales (http://autismus-buecher.de). Ich gehe hier nicht weiter auf das Thema ein, da (wie ich auch der CZ sagte) es in meinem Leben kaum eine Rolle spielt; es ist nicht so schlimm, wie es die CZ darstellt. Aber solche Dinge mag unsere Lokalzeitung offenbar, denn sie konzentriert sich bei Portraits gern auf diesen einen Aspekt (und wieso sonst hätten sie es auf der Titelseite und in der Überschrift aufgegriffen, wo es im Interview nur in zwei Sätzen darum ging?)


Als gäbe es nichts Anderes an einer Person.